Praktikum in Afrika - Reisefieber

Praktikum in Afrika -ReisefieberIhr plant einen Aufenthalt im Südlichen Afrika? Dann ist es wichtig, sich auch in medizinischer Hinsicht ausreichend vorzubereiten, damit das Praktikum nicht durch Krankheiten getrübt wird. Wir können hier allerdings nur Empfehlungen aussprechen und übernehmen auch keinerlei Verantwortung für falsch durchgeführte Medikationen. Generell gilt, das bei Erkrankung, wenn möglich immer erst ein Arzt aufgesucht werden soll. Grundsätzlich empfehlen wir eine Auslands-Krankenversicherung abzuschließen.

 

Allgemeine Maßnahmen

  • Abschließen einer Auslands-Reiseversicherung.
  • Vor Reisebeginn sollten alle anstehenden ärztliche und zahnärztliche Behandlungen abgeschlossen sein.
  • Reisen in extreme Klimazonen nur bei guter Gesundheit.
  • Verzichtet nicht zu sehr auf gewohnte Hygiene.
  • In den Tropen ist für den Abend und die Nacht (auch im Haus) wegen giftiger Tiere eine Taschenlampe unerlässlich.

Malaria

Häufig unterschätzt, aber wieder auf dem Vormarsch: Die Malaria ist die Tropenkrankheit mit der größten Verbreitung. An ihr erkranken ca. 200 Millionen Menschen jährlich. Die Zahl der Todesfälle liegt bei ca. 2 Mio. Opfern.
Entsprechend dem Erreger unterscheidet man drei Arten der Malaria:

  • Malaria tropica: Sie gilt als die gefährlichste der Malariaerkrankungen. Unbehandelt führt sie in ca. 30% der Fälle zum Tod.
  • Malaria tertiana: Diese Malariaart ist nur in seltenen Fällen tödlich, führt aber zu erheblichen Beeinträchtigungen des allgemeinen Gesundheitszustands.
  • Malaria quartana: Diese Malariaerkrankung gilt als die mildeste Form der Malaria.

Die Übertragung der Malaria erfolgt über einen Stich der Anophelesmücke.

Sympthome: das charakteristische Symptom der Malaria ist periodisch auftretendes Fieber. Häufig kombiniert mit Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Verwirrtheitszustände und Krämpfe.
Erst die rhythmischen Fieberanfälle, die je nach Erreger von unterschiedlicher Dauer sind, geben einen Hinweis auf die Art der Erkrankung (ausgenommen der Malaria tropica). Dabei treten Fieberschübe bei der

  • Malaria tertiana alle 48 Stunden
  • Malaria quartana alle 72 h
  • Malaria tropica unregelmäßig auf.

Da die rhythmischen Fieberschübe bei der Malaria tropica ausbleiben, ist die Gefahr einer Fehldiagnose hoch. Grundsätzlich sollte also bei Auftreten der oben genannten Beschwerden ein Arzt aufgesucht werden, um eine entsprechende Diagnostik möglichst schnell einleiten zu können.

Diagnose: anhand der Symptome und einer mikroskopischen Untersuchung des Blutes kann die Diagnose gestellt werden.
Vorbeugung: Zur Malariaprophylaxe verschreibt euch euer Arzt ein bestimmtes, auf eure Reise bezogenes Medikament, das ihr nach einem exakten Zeitplan vor, während und auch nach der Reise einnehmen müßt.
Cave: Eine Impfung existiert derzeit noch nicht und zur Prophylaxe gehört auch ein Vermeiden von Mückenstichen durch entsprechende Wahl der Kleidung. Also tragt am besten helle Kleidung mit lange Ärmeln, langen Hosen und Strümpfen. Vor allem in der Dämmerung und nachts, wenn die Stechmücke aktiv ist. Haltet die Fenster eurer Schlafzimmer in dieser Zeit geschlossen, falls keine (heilen) Fliegengitter angebracht sind. Wenn möglich: Schlaft unter einem Moskitonetz, das euer Bett vollständig umhüllt, und reibt freie Körperstellen mit insektenabwehrenden Mitteln ein.
Therapie: Das Problem der Behandlung der Malaria schien vor einigen Jahrzehnten durch die Einführung des Chloroquins gelöst worden zu sein. Leider ist die Therapie der Malaria heute jedoch wieder von großer Aktualität, da es mittlerweile zu einer weltweiten Verbreitung insbesondere chloroquinresister Malariaerreger, Plasmodium falciparum, gekommen ist. Die Malariatherapie ist durch Resistenzen auch gegen andere Medikamente zusätzlich erschwert.
Chinin: Chinin ist das älteste Malariamittel und erlebt heute aufgrund der vielfältigen Resistenzen gegen neuere Mittel gerade in der Therapie der schweren Formen der Malaria eine Renaissance. Es kann als Tablette und als Injektion, sowohl in die Vene als auch in den Muskel angewandt werden. Die Tatsache, daß Chinin zu Schwangerschaftsunterbrechungen führen kann, bildet jedoch keine Kontraindikation für die Anwendung bei einer schweren Malaria auch bei Schwangeren. Da es auf die erythrozytären Formen, also auf die in die Erythrozyten eingedrungen Parasiten, wenig Einfluß hat, ist es zur Prophylaxe nicht zu empfehlen. Chinidin, eine Abwandlung des Chinins, ist ebenso wirksam wie Chinin, ist allerdings toxischer für das Reizleitungssystem des Herzens.
Chloroquin: Chloroquin (z.B. Resochin) ist trotz der Entwicklung von Resistenzen eines der wichtigsten Mittel für die Behandlung und Prophylaxe der Malaria - natürlich auf Gebiete ohne Chloroquin-Resistenz beschränkt. Es wird als Tablette oder Injektion angeboten. Da bei der Therapie relativ wenige Nebenwirkungen auftreten, eventuell Kopfschmerzen oder Übelkeit, war Chloroquin außerordentlich weit verbreitet. Bei einer Anwendung in der Malariaprophylaxe besteht jedoch bei langer Anwendungsdauer, ab ca. 5 Jahre, das Risiko von Netzhautschäden am Auge. Das zur selben Substanzgruppe (4-Aminochinolone) wie Chloroquin gehörende Amodiaquin (z.B. Camoquin), entspricht in seiner Wirkung dem Chloroquin. Es wird aber wegen gelegentlich beobachteter schwerer Nebenwirkungen, die in Einzelfällen sogar zum Tode geführt haben, nur noch selten zur Therapie und gar nicht mehr zur Prophylaxe eingesetzt.
Mefloquin: Dieses Medikament (z.B. Lariam) ähnelt strukturell dem Chinin und hat sich infolge seiner Wirksamkeit gegen chloroquinresistente Plasmodien überall durchgestzt. Es zeigt aber wesentlich stärkere Nebenwirkungen wie das Chloroquin, Benommenheit und Schwindel werden dabei aber eher als unangenehm empfunden, als daß sie gefährlich wären. Hin und wieder wird von psychotischen Nebenwirkungen berichtet. Diese Nebenwirkungen treten allerdings während der Prophylaxe der Malaria wesentlich seltener als bei der Therapie einer bereits eingetretenen Infektion auf, was auf die geringere Dosis bei der Prophylaxe zurückzuführen ist. Mefloquin ist für Schwangere in den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft und für Kleinkinder nicht geeignet.
Sulfadoxin-Pyrimethamin: Pyrimethamin allein (z.B. Daraprim) allein führt sehr schnell zur Entwicklung von Resistenzen und ist somit nicht zur Prophylaxe geeignet. Es wird heute vorwiegend als Kombination (z.B. Fansidar) mit Sulfadoxin, einem Sulfonamid, verwendet. Da auch hier zunehmend Resistenzen auftreten und insbesondere bei der Anwendung als Prophylaktikum schwere, teilweise sogar tödlich verlaufende Nebenwirkungen beobachtete wurden, ist diese Präparat in Deutschland nicht mehr im Handel.
Halofantrin: Dieser Wirkstoff steht seit Ende der 80iger Jahre als Halfan zur Verfügung, ist aber auf die orale Anwendung beschränkt. Er ist besonders wirksam gegen Plasmodium falciparum. Aufgrund einer möglichen Beeinflussung des Reizleitungssystems des Herzens ist der Einsatz bei Patienten mit Herzerkrankungen eingeschränkt. Aufgrund dieser zwar seltenen, in Einzelfällen aber lebensgefährlichen Nebenwirkungen sollte dieser Wirkstoff trotz seiner guten Wirksamkeit nicht für die notfallbedingte Selbsttherapie verwendet werden.
Tetrazykline: Tetrazykline (z.B. Doxycyclin) werden gelegentlich in Kombination mit Chinin bei Resistenzproblemen eingesetzt. In dieser Form sind sie prinzipiell auch zur Prophylaxe anwendbar. Als Einzelsubstanzen sind sie wegen ihres verzögerten Wirkungseintrittes nicht zu empfehlen.
Proguanil: Dieser Wirkstoff wird jetzt wieder öfter eingesetzt und ist besonders gegen die in der Leberzelle existierende Form von Plasmodium falciparum wirksam. Sie wird häufig zur Prophylaxe, oft in Kombination mit Chloroquin, verwendet. Nach der Einnahme kann es vorrübergehend zu Haarausfall und/oder Magen-Darmbeschwerden kommen.
Primaquin: Primaquin ist besonders gut gegen die erythrozytären Parasitenstadien wirksam, speziell von Plasmodium vivax. Es ist zur Vermeidung von Rezidiven für die Nachbehandlung der Malaria tertiana geeignet. Die Einnahme ist auf 2 Wochen beschränkt, Nebenwirkungen sind selten.
Artemisinin: Aus der Pflanze Artemisia annua konnte eine Substanz, das Quinghaosu, isoliert werden. Es wird bereits seit langem in Südostasien vor allem gegen die Malaria, aber auch gegen Fieber eingesetzt. Abkömmlinge des Arteminins, wie z.B. Arthemeter oder Artesunat sind in der Behandlung der chloroquinresistenten Malaria tropica wirksam. In Deutschland sind sie noch nicht zugelassen. Der Vorteil besteht darin, dass es keinerlei Nebenwirkungen zeigt.

Die Behandlung (vor allem der Malaria tropica) muß so früh wie möglich begonnen werden, im Verdachtsfall auch ohne das vorliegende Ergebnis des mikroskopischen Parasitennachweises. Alle Malariaformen können mit Chloroquin (Resochin®) ausreichend behandelt werden, wenn sie nicht durch Chloroquin-unempfindliche Parasiten verursacht sind und noch keine Komplikationen aufgetreten sind. Die Einnahme erfolgt in der Regel in Tablettenform. Bei Chloroquin-unempfindlichen Erregern muß mit Mefloquin (Lariam®), Halofantrin (Halfan®) oder Chinin behandelt werden. Bei der Malaria tertiana wird zusätzlich nach Behandlung der akuten Beschwerden Primaquin verabreicht, um einem Wiederauftreten der Krankheit durch in der Leber verbliebene Parasitenformen vorzubeugen.
Malariaprophylaxe ist in allen Ländern des südl. Afrikas zu empfehlen, in Südafrika und Namibia allerdings nur im nördlichsten Teil.

Gelbfieber

Gelbfieber ist eine akute, fieberhafte Virusinfektionserkrankung ein RNA-Virus aus der Familie der Flavi-Viren (zu dieser Familie gehören auch das Dengue-Virus und das Hepatitis C Virus), die durch die infizierte Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) auf den Menschen übertragen wird. Sie gehört zu den hämorrhagischen Infektionskrankheiten; die Erkrankung geht also mit inneren und äusseren Blutungen einher. Sie war ursprünglich nur in Afrika zu finden bzw. nachzuweisen. In den Jahren 1985 bis 1996 wurden weltweit 23.540 Fälle von Gelbfieberinfektionen registriert. Von diesen Erkrankten starben 6.420. Dabei muss allerdings von einer grossen Zahl an nicht gemeldeten Fällen ausgegangen werden. Seit dem Jahre 1946 ist in Deutschland Anfang August 1999 der erste Fall einer Gelbfieberinfektion bekannt geworden. Es handelte sich um den Kameramann Olaf Ullmann, der sich im Rahmen einer Dienstreise in der Elfenbeinküste angesteckt hatte. Ullmann verstarb am 6. August 1999 unter großer öffentlicher Anteilnahme in der Charite in Berlin. Eine große Gelbfieberepidemie wurde Ende Dezember des Jahres 2000 aus dem Nordwesten von Guinea in Afrika gemeldet. Bis zum 29.12. 2000 waren 512 Menschen erkrankt, von denen bis zu diesem Zeitpunkt 190 verstorben waren.

Symptome: Die Krankheit kann unterschiedlich schwer verlaufen, und zwar von leichten Fällen, die kaum diagnostiziert werden, bis zu einer Letalität bis zu 50% bei schweren Verläufen. 1-2 Tage nach der Infektion treten uncharakteristische Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Kopf und Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf, die nach einigen Tagen wieder abklingen können. Dann kann bei einem Teil der Patienten ein Rückfall erfolgen. Es kommt zu einem erneuten Fieberanstieg, zur Leberschwellung, Gelbsucht (Ikterus) sowie zum Bluterbrechen (Hämatemsis). Dabei können im Urin vermehrt Eiweiße nachgewiesen (Albuminurie) werden. Ausserdem kann es zu Verwirrtheit und Bewusstseinstrübungen kommen. Bei ungünstigem Verlauf verstirbt der Patient meist innerhalb der zweiten Woche, im günstigen Fall kann die Erkrankung vollkommen ausheilen.
Diagnose: Die Diagnose wird hauptsächlich aufgrund des Beschwerdebildes, vor allem in der zweiten Phase der Erkrankung und, falls erforderlich, durch Antikörper- oder Virusnachweis gestellt. Die Therapie des Gelbfiebers erfolgt ausschließlich symptomatisch. Ein Medikament gegen das Virus gibt es (noch) nicht.
Vorbeugung: Zum eigenen Schutz solltet ihr euch vor Reisen in Gelbfieberzonen auf jeden Fall impfen lassen. Nur staatlich zugelassene Impfstellen dürfen den Impfstoff verabreichen, so z.B. die Tropeninstitute. Es wird einmalig 0,5 ml Impfstoff subkutan oder intramuskulär injiziert. Die Immunität beginnt 10 Tage nach der Impfung und hält ca. 10 Jahre an.
Cave: Die Gelbfieber-Impfbescheinigung ist der einzige heute im internationalen Reiseverkehr vorgeschriebene Impfnachweis. Solltet ihr nach Tansania über ein Drittland, wie z.B. Kenia oder Uganda einreisen, so müßt ihr in jedem Fall die Impfbescheinigung vorlegen.

Cholera

Cholera ist eine schwere Darmerkrankung.Über stuhlverunreinigtes Trinkwasser oder kontaminierte Nahrung gelangen die Erreger in den Dünndarm. 1992 wurden in 68 Ländern der Welt 461 783 Cholera-Erkrankungen mit über 8000 Todesfällen gemeldet, die meisten Erkrankungen nämlich (354 089) traten in Südamerika auf. In Europa gab es 1992 rund 20 überwiegend importierte Cholera-Fälle.

Symptome: Nach einer Inkubationszeit von 2-5 Tagen beginnt die Erkrankung mit Übelkeit, Erbrechen und sogenannten "reiswasserartigen" Durchfällen. Die ausgeschiedenen Flüssigkeitsmengen können 25 Liter pro Tag erreichen. Es entwickelt sich eine Flüssigkeitsunterversorgung des Körpers, auch Exsikkose genannt. Erstes Symptom der Austrockung ist vielfach Heiserkeit. Es kann dann zu Muskelkrämpfen in den Waden, zu Nierenversagen (Oligurie, Anurie) und dann zum Kollaps kommen. Das Blut kann durch den Flüssigkeitsverlust so eingedickt sein, daß es zu Gefäßverschlüssen kommt. In den schwersten Fällen kann der Patient schon innerhalb einer Stunde nach Einsetzen der Symptome einen sehr niedrigen Blutdruck entwickeln und dann innerhalb von 2-3 Stunden versterben. Manchmal sterben die Patienten bevor die Durchfälle angefangen haben. Die Letalität liegt bei unbehandelten Fällen um 60 %, bei der durch Vibrio El Tor verusachten Form bei 15-30 %. Bei ausreichender Behandlung liegt sie unter 1 %. Bei Infektionen durch Vibrio El Tor verläuft die Cholera milder als bei der klassischen Cholera.
Diagnose: Es kann die Diagnose Cholera durch Nachweis des Erregers in Stuhl und Erbrochenem gestellt werden.
Vorbeugung: Eine Schutzimpfung können wir nicht mehr empfehlen. Da sie keinen ausreichenden Schutz gegen eine Infektion bietet.
Therapie: besondere Bedeutung zu. An erster Stelle in der Therapie der Cholera steht der rasche Ersatz der verlorenen Flüssigkeit und Elektrolyte sowie von Zucker (Glucose). Für die Therapie in Endemiegebieten, in denen ausreichende Mengen intravenöser Infusionsflüssigkeit nicht zur Verfügung stehen, hat die WHO eine oral zu verabreichende Salz- und Glukoselösung in Wasser entwickelt. Diese besteht aus folgenden Komponenten:

  • Glukose 20 g/l
  • Natriumbikarbonat 2,5 g/l
  • Natriumchlorid 3,5 g/l
  • Kaliumchlorid 1,5 g/l

Mit dieser Lösung ist es möglich, Flüssigkeitsverluste durch den Dünndarm auszugleichen. Bei schweren Fällen über 7 Liter pro Tag muß ein intravenöser Flüssigkeitsersatz erfolgen. Zusätzlich erfolgt eine Antibiotikatherapie. Sie tötet die Bakterien im Darm ab, kann den Flüssigkeitsersatz jedoch nicht ersetzen.

Hepatitis A

Unter dem Begriff Hepatitis versteht man Erkrankungen, die mit einer Entzündung der Leber und Leberzellschädigung einhergehen. Hepatitis kann durch Viren, Bakterien, Protozoen, Parasiten, toxische Substanzen, Arzneimittel oder Alkohol hervorgerufen werden. Im folgenden soll nur auf die durch primär die Leber infizierende (hepatotrope) Viren hervorgerufene Hepatitis eingegangen werden. Im allgemeinen verläuft die Erkrankung mild und heilt aus. Protrahierter (verlängerter) Verlauf selten, aber niemals chronische Verläufe. Extrem stark verlaufende (fulminante) Verläufe sehr selten. Nach durchgemachter Infektion lebenslange Immunität. Hepatitis A ist eine der häufigsten eingeschleppten Reiseerkrankungen. Alle Tropenreisenden sollten sich impfen lassen.

Übertragungsweg: fäkal-oral, Übertragung häufig bei schlechten hygienischen Verhältnissen. Aufnahme erfolgt über kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel, wie Muscheln, Austern, gedüngtes Gemüse und Salate. Übertragung durch Blut, Blutprodukte oder Sexualkontakte sehr selten.
Symptome Nach einer Inkubationszeit von 12-50 Tagen können leichtes Fieber, Beschwerden im Oberbauch, dunkler Urin, grau-weißliche Stühle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Gelbsucht (Gelbfärbung von Haut und Augen) auftreten.
Diagnose: Nachweis von spezifischen Antikörpern gegen HAV (anti-HAV-IgM und -IgG) im Blut.
Therapie: Keine ursächliche Behandlung der Hepatitis A, während der akuten Phase kein Alkohol sowie körperliche Schonung.
Vorbeugung: Zur Vorbeugung gibt es heute eine aktive Immunisierung mit einem Totimpfstoff z.B. Havrix, (2 Impfungen im Abstand von 6 - 12 Monaten). Hohe anti-HAV- Antikörperantwort. Dann Schutz für 5 - 10 Jahre. Passive Immunisierung mit menschlichem Immunglobulin, bei sehr kurzfristig benötigter Immunität, z.B. einer spontanen Fernreise. Ist aber nicht sehr zu empfehlen, weil nur ein relativ kurzer Impfschutz besteht.

Eine Impfung ist für alle Länder des südl. Afrkia zu empfehlen.

Hepatitis B

Übertragungsweg: Die Übertragung geschieht vor allem durch Blut- und Schleimhautkontakte, aber auch durch verunreinigte Spritzen.
Symptome: Beginn mit Müdigkeit, Leistungsschwäche, Leberschwellung, Gelenk- und Gliederschmerzen, Fieber, Übelkeit, Verdauungsstörungen und Gelbsucht. Das klinische Spektrum der Hepatitis erstreckt sich vom subklinischen bis zur akuten Gelbfärbung von Haut und Augen (Ikterus). Verlauf ca. 1% fulminant (extrem stark). Klinische Manifestation ist wesentlich abhängig vom Alter und Immunstatus des Patienten. Die Infektion kann zu einer Leberzirrhose, sogar zu Leberkrebs führen. Latenzzeit zwischen Infektion und Auftreten von Leberzellkarzinom ca. 20 - 40 Jahre.
Diagnose: Nachweis von HBV-Antigenen (HBsAg, HBeAg) sowie Antikörpern.
Therapie: Interferon-Alpha (anhaltende Viruselimination bei ca. 40% der Behandelten); seit kurzem neue Therapieansätze (Nukleosidanaloge: Famciclovir, Lamivudine) mit hoher Ansprechrate.
Vorbeugung: Hepatitis-B-Schutzimpfung: sie ist gut verträglich und wirksam und wird besonders empfohlen für Fernreisende, die sexuell nicht monogam leben.

Die Hepatitis-B-Impfung ist allen, die für längere Zeit in die Tropen reisen oder dort arbeiten, zu empfehlen, da sie sich bei möglicherweise notwendigen medizinischen Eingriffe, z.B. Bluttransfusionen, leicht infizieren können.

Tetanus (Wundstarrkrampf)

Die Tetanusbazillen sind weltweit verbreitet. Sie gelangen meist über Wundverschmutzung; klassisch ist die sogenannte „Bagatellverletzung“, d.h. kleine bis kleinste Wunden in den Körper. Durch das Gift der Tetanusbazillen werden Nervenenden gelähmt und eine krampfhafte Starre der Muskulatur hervorgerufen.

Symptome: 2 bis 14 bis 56 Tage nach der Infektion kommt es zu Schmerzen der Kau-, Bauch- und Rückenmuskulatur mit Kiefersperre und Spasmus der Kaumuskulatur. Es folgen entstellende Kontraktionen der Gesichtsmuskulatur, Schluck- und Atemstörungen. Die Erkrankung ist äußerst schmerzhaft und endet trotz moderner Behandlungsmethoden in 20-30% der Fälle tödlich.
Diagnose: aus dem Krankheitsbild.
Therapie: Tetanus-Immunglobulin, Lähmung der Muskulatur zur Behebung der Krämpfe, Intensivüberwachung, Antibiotika.
Vorbeugung: Gegen tetanus sollten Sie auf jeden fall geimpft sein, unabhängig davon, ob Sie sich auf eine Reise begeben oder nicht. Ausreichender Impfschutz besteht nach einer Grundimmunisierung (drei Impfungen). Dieser Impfschutz muß alle zehn Jahre aufgefrischt werden.

Typhus

Typhus wird durch Salmonella typhi hervorgerufen. Dies ist eine Salmonellenart, deren einziges Reservoir der Mensch ist und die überwiegend mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Die wichtigste Infektionsquelle sind aber nicht Patienten mit einer akuten Erkrankung, sondern sogenannte "Dauerausscheider", die nach durchgemachter Infektion als "Gesunde" weiter Erreger ausscheiden. Die Typhussalmonellen überleben längere Zeit im Wasser und können sich z.B. in Muscheln anreichern. Die Übertragung erfolgt überwiegend durch Trinkwasser oder kontaminierte Nahrungsmittel, auf denen die Salmonellen bei mangelnder Hygiene die zur Infektion erforderliche hohe Keimzahl erreichen. Eine direkte Schmutz-Schmierinfektion ("After-Finger-Mund-Weg") ist wesentlich seltener. Typhus ist immer eine lebensgefährliche Erkrankung. Auch bei bester medizinischer Versorgung stirbt etwa 1% der Patienten, ohne Behandlung wären es rund 30%!

Symptome: Nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Wochen beginnt die Erkrankung uncharakteristischen mit Allgemeinsymptomen: Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Obstipation (KEINE DURCHFÄLLE), steigende Temperaturen (treppenverlaufähnlich ansteigend), Apathie, eventuell Nasenbluten. Gegen Ende der ersten Krankheitswoche kommt es dann zur Continua (gleichmäßig hohes Fieber um 40°) mit langsamer Herzfrequenz. Die Benommenheit nimmt zu (Typhus stammt aus dem Griechischen und bedeutet Nebel!). Zusätzlich treten Leber- und Milzschwellung, eventuell sogar eine leichte Gelbsucht auf. Gegen Ende der zweiten Krankheitswoche kann ein ganz flüchtiger Hautausschlag (Roseolen) am Rumpf auftreten. Erst in der dritten Krankheitswoche können erbsbreiartige Durchfälle auftreten. Dann erfolgt die Abfieberung. Als Komplikationen der Erkrankung können Darmblutungen oder Darmperforationen, Herzmuskelentzündung, Venenentzündungen, Lungenentzündung, Gallenblasenentzündung und Meningoencephalitis (Entzündung des Gehirns) sowie Knochenmarkseiterungen auftreten.
Diagnose: Direkter Erregernachweis in der Blutkultur, ab der 2 bis 3 Woche Nachweis in der Stuhlkultur,evenutell auch in der Harnkultur. Dem serologischen Nachweis (Nachweis der Antikörper im Blut) kommt nur eine untergeordnete Bedeutung zu.
Therapie: Die Behandlung erfolgt durch eine möglichst frühzeitige Antibiotikatherapie, die ca. 2-3 Wochen fortzusetzten ist. Das Mittel der Wahl bei Erwachsenen ist Chloramphenicol. Für Kinder werden Co-Trimoxazol oder Ampicillin empfohlen, die auch als Alternativen bei Erwachsenen in Frage kommen. Hinzu kommt eine sorgfältige Pflege des Kranken mit Ausgleich des Wasser- und Mineralhaushaltes sowie einer Überwachung der Kreislauffunktionen. Die Patienten sind zu isolieren, ihre Ausscheidungen und Wäsche müssen desinfiziert werden. Trotz adäquater Therapie bleiben 2-5 % der Patienten Dauerausscheider und stellen damit, wie erwähnt, potentielle Krankheitsüberträger dar.
Vorbeugung: Im allgemeinen hinterläßt die durchgemachte Erkrankung eine lebenslange Immunität, allerdings sind trotzdem Zweiterkrankungen möglich. Eine aktive Schutzimpfung mit einem oralen Impfstoff (Schluckimpfung/VIVOTIF® Berna) oder einer Typhus-STICHIMPFUNG TYPHIM VI® PMC steht zur Verfügung und wird als Reiseimpfung empfohlen. Sie verleit für ca. 2 Jahre einen Schutz vor der Erkrankung bzw. bewirkt einen leichteren Krankheitsverlauf. Prophylaktisch ist bei einem Aufenthalt in warmen Ländern das Trinken von abgekochtem Wasser sowie des Meiden von Salaten und ungeschältem Obst zu empfehlen. Da die Typhussalmonellen das saure Milieu im Magen nur zu einem geringen Teil überleben, wird eine zusätzliche Ansäuerung durch Medikamente oder einfacher durch saure Getränke, wie z.B. Zitronenlimonade oder Cola empfohlen.
Cave: Bei dem oralen Impfstoff ist zu beachten, dass:

  • keine gleichzeitige Einnahme mit Antibiotika oder dem Malariamedikament Lariam®
  • Abstand zu anderen Lebendimpfungen (Polio oral, MMR) erforderlich
  • erst bei Kindern ab dem vollendetem 1. Lj. möglich
  • Impfstoff sehr temperaturempfindlich

Bei der Stichimpfung:

  • mit allen Impfungen ohne zeitlichen Abstand kombinierbar,
  • keine Wirkungsabschwächung durch Antibiotika oder Malariamedikamente
  • Impfung bei Kindern erst ab dem 2. Lebensjahr (schlechte Wirksamkeit, jedoch nicht mehr Nebenwirkungen)
  • kürzerer Zeitraum bis zum Eintritt eines wirksamen Schutzes

Poliomyelitis

Polio ist eine Viruserkrankung des Nervensystems. Die Übertragung der "Polioviren" geschieht ebenso wie bei der Hepatitis A durch verunreinigtes Wasser oder Essen (eine sog. Schmutz- und Schmierinfektion).

Symptome: Über 90% der Infektionen verlaufen ohne, daß der Betroffene irgendwelche Beschwerden hat. Sollte Polio aber symptomatisch werden, dann kann nach einer Inkubationszeit von etwa ein bis zwei Wochen es zu folgenden Formen der Erscheinung kommen:

  • leichte, unspezifische, fieberhafte, 1-2 Tage dauernde Erkrankung mit Kopf- und Halsschmerzen, ev. leichter Durchfall.
  • ohne Lähmungen verlaufende Gehirnentzündung mit Fieber, Hals und Rachenentzündung, Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen.
  • „echte“ Kinderlähmung: schlaffe Lähmungen von Muskeln der Extremitäten, Hirnnervenausfälle, wenn das Atemzentrum mitbetroffen ist meist Atemlähmung. Außerdem können Krämpfe, hohes Fieber, Bewußtseinstrübungen u.v.a. vorkommen. Lange und ausgedehnte Rekonvaleszenz, die bis zu 2 Jahren dauert. Spätschäden häufig.

Diagnose: Nachweis des Erregers oder von Antikörpern gegen den Erreger.
Therapie: keine, außer Pflege des Patienten. Die Polio verläuft schicksalshaft.
Vorbeugung: Der Name Kinderlähmung ist eigentlich irreführend, denn auch Erwachsene können erkranken und sollten geimpft sein, weil in tropischen Lämdern diese ansteckende Krankheit weit verbreitet ist. Zur Vorbeugung gibt es eine gut verträgliche Impfung (nach Salk oder Sabin), die vor einer Reise aufgefrischt werden sollte.

Tollwut

Die Tollwut ist ein nahezu weltweites Problem. Tollwutfrei sind lediglich Australien, Neuseeland, Papua-Neuguinea, Ozeanien, Taiwan, Japan, einige karibische Inseln, Bermuda, Zypern, Dänemark, Finland, Gibraltar, Griechenland, Island, Norwegen, Irland, Kuwait, Malta, Portugal, weite Teile Spaniens, Schweden, Großbritannien und die touristischen Inseln im indischen Ozean. In Europa konnte die Tollwut durch großangelegte Impfaktionen für Füchse weitgehend zurückgedrängt werden. Weltweit sterben rund 50.000 Menschen jährlich an der Tollwut, im Jahr 1984 wurden mehr als 3,7 Millionen Menschen nach einem Tierbiß gegen Tollwut geimpft. Stellen in Europa Füchse die größte Infektionsquelle dar, so sind es in den tropischen und subtropischen Regionen überwiegend Hunde, die es fast immer und überall in großen Mengen gibt. Damit hat die Tollwut zwei große epidemiologische Formen: die sylvatische Wut (Zyklus Fuchs-Fuchs und sehr selten einmal ein anderes Tier oder der Mensch) und die urbane Wut (Zyklus Haushund-Haushund und viel häufiger der Mensch, der mit dem domestizierten Tier ja in engem Kontakt lebt!). Letzere ist vor allem in den Tropen der vorherrschende Typ.

Symptome: Der Erreger ist das TOLLWUT-VIRUS (Rhabdo-Virus). Die Übertragung geschieht durch Biß oder Hautkontakt (Das Virus wird im Speichel des infizierten Tieres ausgeschieden!). Die Tollwut beginnt sehr uncharakteristisch mit Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Schmerzen an der Bißstelle, Angstzustände, Schlaflosigkeit, Depressionen oder Erregungszuständen. Diese Beschwerden dauern 2 bis 10 Tage. Da sich das Tollwutvirus entlang der Nervenbahnen ins Gehirn verbreitet und sich dann dort vermehrt, treten in der Folge neurologische Beschwerden auf:

  • Hyperventilation (übersteigerte Atemtätigkeit, "Hecheln")
  • Zeichen des Sauerstoffmangels
  • Sprachunfähigkeit
  • Lähmungen
  • Wasser- und Lichtscheu
  • Stimmritzenkrampf ("zugeschnürte Kehle"),
  • Verwirrtheitszustände
  • Halluzinationen
  • Unruhe , Bewegungsdrang

Diese Beschwerden dauern zwei bis sieben Tage und werden bei vollem Bewußtsein durchlitten. Nach der neurologischen Phase fällt der Erkrankte ins Koma. Trotz aller intensivmedizinischen Maßnahmen ist der Tod nicht vermeidbar. Es treten Herzrhythmusstörungen, Herz- und Atemstillstand ein. WENN SYMPTOME DER ERKRANKUNG AUFGETRETEN SIND, NIMMT DIE KRANKHEIT IHREN SCHICKSALSHAFTEN, TÖDLICHEN VERLAUF. Es wurde bisher noch kein Fall einer überlebten Tollwuterkrankung beschrieben.
Diagnose: Die Diagnose der Erkrankung wird klinisch gestellt. Besonders wichtig ist das Hinterfragen von Tierkontakten in einem Tollwutgebiet, Art des Kontaktes (Bißverletzung, Ablecken) und Verhalten des Tieres. Im späteren Krankheitsverlauf kann das Virus durch spezielle Methoden im Speichel oder im Hornhautabstrich nachgewiesen werden.
Therapie: Es gibt keine Behandlung der Tollwut. Die einzige lebensrettende Maßnahme ist die sofortige Impfung nach einem tollwutverdächtigen Tierkontakt!
Vorbeugung: vorbeugende Impfung (PCEC-Impfstoff (Rabipur®): je eine Impfdosis (in den Oberarmmuskel) am Tag 0, 7 und 28 (ev. 21), eine vierte Impfung nach 12 Monaten Impfung nach Kontakt (postexpositionelle Tollwutimpfung): Die Impfung wird wie die vorbeugende Impfung durchgeführt, jedoch werden am Tag 0 zwei Impfdosen gleichzeitig gegeben, eventuell kann auch zusätzlich die Gabe von Tollwuthyperimmunglobulin erforderlich sein
Cave: Allen Reisenden sollte die Bedeutung der Tollwut bewußt gemacht werden. Eine vernünftige Verhaltensweise ist mit Sicherheit die besten Vorbeugung, die man sich vorstellen kann. Tierliebe ist eine sehr positive Charaktereigenschaft, sollte sich aber auf Reisen in Grenzen halten, denn: JEDER TIERKONTAKT (BISS, aber auch ABSCHLECKEN BEI NICHT INTAKTER HAUT) MUSS ALS TOLLWUTVERDÄCHTIG EINGESTUFT WERDEN! Das bedeutet, daß auf schnellstem Wege eine Tollwutimpfung begonnen werden muß. Leider ist in vielen Ländern der Zugang zu modernen, gut verträglichen Impfstoffen nicht nur schwer möglich, sondern überhaupt unmöglich.

HIV / Aids

Das HIV Virus ist im südl. Afrika sehr verbreitet und verursacht die tödliche Krankheit Aids. Eine Ansteckung mit dem Virus bleibt - vor allem in den ersten Jahren - fast immer unbemerkt. Sie kann erst drei Monate nach einer Ansteckung durch einen Bluttest zuverlässig festgestellt werden. Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit Aids vergehen durchschnittlich 10 Jahre, in denen der Infizierte sich meist körperlich gesund fühlt (und auch so aussieht), das Virus aber über Blut, Samen und Scheidenflüssigkeit an andere Menschen weitergeben und sie anstecken kann.
"Safer Sex" und vor allem das Kondom ist das einzige Mittel zum wirksamen Schutz vor HIV und den meisten anderen sexuell übertragbaren Infektionen.
Bei evtl. notwendigen Krankenhaus-Aufenthalten bitte darauf achten, daß eine sterile Spritze benutzt wird. Es wird empfohlen, in die Reiseapotheke auch Spritzen einzupacken, um dem Übertragungsweg des HIV durch unsaubere Spritzen vorzubeugen.

Maximalapotheke



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